Tschechoslowakische Bahnhöfe: Bohumín

Von außen ist der Bahnhof von Bohumín, einer Stadt im tschechischen Teil Schlesiens unweit der polnischen Grenze, ein recht typischer später k.u.k.-Bau. Der irgendwo zwischen Historismus und Jugendstil schwankende Prunk tritt zugunsten eines klar ablesbaren Baukörpers schon fast in den Hintergrund.

NádražíBohumín

Quer zu den Gleisen drei zweigeschossige Bauteile mit Satteldach und dreieckigen Giebeln, die durch an den Seiten niedrigere und in der Mitte höhere und verglaste flache Bauteile verbunden sind. Der mittlere Bauteil, wo der Eingang ist, wird durch ein schmiedeeisernes Vordach und etwas mehr Jugendstilornamentik nur leicht hervorgehoben.

Im Inneren ist der Bahnhof dann ein Zwitter.

NádražíBohumínHalle

Der obere Teil der Halle paßt ganz zum Äußeren: Pilaster, Kassettendecke, renovierte Stuckverzierungen, die meist ein geflügeltes Rad zeigen. Der untere Teil aber ist aus der sozialistischen Tschechoslowakei. Auf dem Boden dunkelgrauer, an den Wänden ockerfarbener glatter Stein. Gleichsam als Trennung zwischen Alt und Neu verläuft am oberen Rand der Steinverkleidung eine Leiste aus bronzefarbenem Metall, hinter der Lampen angebracht sind. Die Einfassungen der Schalter und die Türen sind aus entsprechendem Metall und ihr Glas ist teilweise dunkel getönt. Die Hinweisschilder sind, wie es zum Corporate Design der ČSD (Československé státní dráhy, Tschechoslowakischen Staatsbahnen) gehört, blaue Quadrate mit abgerundeten Ecken, auf denen weiß die verschiedenen Symbole sind.

NádražíBohumínEingangWartehalle

Im hinteren Teil der Halle zweigen links und rechts zwei kleinere langgezogene Wartehallen ab, die durch Glasflächen und Türen von ihr separiert sind. In der Mitte von ihnen sind die Bänke aus dunklem Holz und Metall, an den Seiten sind das ehemalige Bahnhofsrestaurant, die ehemalige Gepäckaufgabe, Kneipen und Läden.

NádražíBohumínWartehalle

Der obere Teil dieser Hallen besteht aus kahlen weißen Putzflächen und den Fenstern, die man schon von außen gesehen hatte. Einziger Schmuck ist eine Uhr an der Schmalseite, die nur aus Zeigern, Strichen für die Stunden und einer 2, die den obersten Strich zur 12 macht, besteht.

NádražíBohumínUhrWartehalle

Am Ende der Bahnhofshalle stehen halb hinter und gleichsam in Konkurrenz zu zwei Pfeilern hohe flache Stelen mit Metallfassung, auf denen die Ankunfts- und Abfahrtzeiten zu lesen sind, rechts drei für erstere, links drei für letztere. Sie stehen leicht versetzt und bekommen, wiewohl völlig zweckgebunden, etwas unerwartet Spielerisches.

NádražíBohumínStelen

Das wird unterstrichen noch von der Brüstung dahinter, die eine Art unregelmäßiges Gitter aus Quaderelementen aus grauem glatten Stein ist. Dahinter ist die Unterführung zu den Bahnsteigen, zu der links und rechts Treppen hinabführen.

So wird durch eigentlich nur kleine Eingriffe der Charakter des Bahnhofs völlig verändert. Er wird aus der k.u.k Monarchie in den Sozialismus aufgehoben. Und wie als Verbindung zum Fortschrittlichsten der alten österreichischen Architektur stehen auf den Bahnsteigen um die Treppenöffnungen Stadtbahngeländer.

NádražíBohumínStadtbahngeländer

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