Oblatenkloster Wien

Vor einer Weile ging es hier um ein Gebäude, das jeder schon gesehen hat und kaum einer bemerkt: ein leicht erhöhtes zurückgesetztes Erdgeschoß und darüber ein Obergeschoß mit durchgängigem Fensterband zwischen zwei Brüstungsbändern aus Beton.

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Samson Meß- und Regeltechnik

So wurden, hieß es da, in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern alle kleineren Büro- und Fertigungsgebäude errichtet.

Auch das Gebäude, das nun vorgestellt werden soll, gehört zu diesem Typ.

OblatenklosterWien

Es befindet sich in der Auhofstraße, gar nicht so weit von Samson Meß- und Regeltechnik, weiter stadtauswärts abseits der U4. Man könnte leicht an ihm vorbeigehen wie an tausend anderen. Noch nachdem man gelesen hat, was über dem Eingang steht, „Oblatenkloster“, will man kaum glauben, daß es sich hier um kein Büro- oder Fertigungsgebäude handelt. Doch dann scheint es nur konsequent, einer Filiale eines bekannten multinationalen Unternehmens wie der katholischen Kirche so zu bauen.

Das Gebäude ist mit dem obigen eigentlich auch schon beschrieben. Jedes religiöse Architekturmotiv fehlt, nicht einmal ein Kreuz gibt es. Vorm Erdgeschoß sind zwei Treppen. Eine ist links brückenartig vorgesetzt und führt zu zwei Wohnungen.

OblatenklosterWienTreppe

Die zweite ist etwa in der Mitte und führt breit auf die Bronzetüren des Eingangs zu.

OblatenklosterWienEingang

Links des Eingangs ist das Treppenhaus, das aus zwei halbkreisförmig vorgewölbten Teilen besteht, die auch noch über das Obergeschoß hinausragen, ohne annähernd ein Turm zu sein. Das Fensterband ist hier unterbrochen, aber die Streifen aus weißem Beton sind schwebend fortgesetzt. Über dem Eingang und rechts von ihm ist im Obergeschoß statt Fenstern ein Bild aus Glas und Beton, in dem man Kreisformen und drei Figuren erkennen kann. Einzig dies erinnert an Kirchenbauten der Zeit, bleibt aber völlig der strengen Struktur des Gebäudes untergeordnet.

Damit ist das Oblatenkloster das seltene Beispiel einer religiösen Architektur, die keinerlei Außenwirkung will. Es will kaum auch nur betonen, daß es ein Wohnbau ist. Es versteckt sich, zeigt aber doch alles, was nötig: Eingänge, Treppenhaus, das Bildfenster vor der Kapelle. Nur den Eingeweihten ist die Gartenseite, die sich einem langgezogen den Hang hinaufführenden Grundstück zuwendet, vorbehalten. Und gerade ob dieser Schlichtheit, gerade weil es sich gar nicht bemüht, anders als all die Samson Meß- und Regeltechnik der Welt auszusehen, ist das Oblatenkloster vielleicht der interessanteste Sakralbau seiner Zeit in Wien.

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