Zittau in fünf Farben

Eine längliche Holzplatte und darauf ein Druck, der die Stadt Zittau zeigt.

ZittauVEBRoburHanddruckOehler

Der Untergrund ein etwas vergilbtes Weiß, die Linien schwarz, dazu Gelb, Grün und Rot, allesamt eher blaß. In einem schwarzen Rahmen die Gebäude und Sehenswürdigkeiten der Stadt (von links nach rechts):

In Rot der mächtige Marstall auf dem August-Bebel-Platz (jetzt Neustadt), davor der barocke Herkulesbrunnen in Grün, der tatsächlich davorsteht. In Gelb der minarettartig schlanke barocke Turm der Klosterkirche. In Rot Giebel und Türme der klassizistischen Johanniskirche, für deren Unterschiedlichkeit sich die Stadt nicht einmal, wie etwa in Kraków, eine Legende einfallen ließ. Darunter in Gelb der Nazibau des Gerhart-Hauptmann-Theaters, das es wundersamerweise noch gibt, ohne daß es aber noch das hübsche Logo auf der Fassade verwendete. In Gelb das Rathaus in seinem für das Zittau des mittleren 19. Jahrhunderts typischen, an mediterrane englische Neogotik erinnernden Stil, ein Oberlausitzer Miramare. Darunter, schwarz auf roter Fläche und unaufdringlicher Mittelpunkt, das filigrane Schmiedewerk des Grünen Borns. In Grün der barocke Eckerker der Alten Post in der Bautzener Straße. In Gelb das Eingangsgebäude des VEB Robur-Werke mit dem markanten, an eine Kurbelwelle erinnernden Logo des Kleinlasterherstellers. Und dezent hinter den vier letztgenannten, in Weiß und Schwarz mit roten Balkonen, eines der typischen fortschrittlichen Wohngebäude der Stadt. In Rot der Hefftergiebel am Kloster, Höhepunkt der Renaissancearchitektur in Zittau und von kaum irgendwo gut zu sehen. Davor mehrfarbig die Blumenuhr, die zum Wahrzeichen der Stadt zu machen man als Leistung des Stadtmarketings im frühen 20. Jahrhundert betrachten kann. Abschließend in Gelb der Turm des Gymnasiums, dessen oberer Teil eine Nachahmung eines Bautzener Stadttores ist. Dazu hie und da einige grüne Sträucher und Bäume, das Wappen, in dessen Mittelpunkt zwischen böhmischen Löwen und schlesischen Adlern einfach ein Z ist, der verschnörkelte Name und unterhalb des Rahmens die Worte „Unseren Werktätigen zum 25. Jahrestag der DDR . VEB Robur-Werke Zittau“, sowie der Hinweis „Handdruck Oehler Zittau“.

Man kann in diesem schönen und schlichten, Alt und Neu, Kultur, Wohnen und Arbeit umfassenden Stadtpanorama vielleicht die ganze DDR des Jahres 1974 erkennen. Man kann daran, daß kein VEB Robur-Werke seinen Werktätigen mehr so etwas schenkt, da von ihm nur beeindruckende Industrieruinen am Bahnhof, einige liebevoll gepflegte Fahrzeuge und Nostalgie blieben, den ganzen Niedergang Zittaus, einer Region, eines Landes beschreiben. Doch für den Moment genügt mir, daß dieses kleine Kunstwerk mich an der Wand meiner Wiener Wohnung an eine alte Heimat erinnert.

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