Erkundungen auf Friedhöfen: Samuel Ritter von Frankfurter

Auf dem jüdischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs findet sich ein Grab, auf dem man den perfekten k.u.k.-jüdischen Namen lesen kann: Samuel Ritter von Frankfurter.

GrabRitterVonFrankfurterZentralfriedhofWien

Es ist auch ein Name, der wunderbar die absurden sprachlichen Folgen von Erhebungen in den Adelsstand zeigt. Der Name Frankfurter nämlich ist offenkundig ursprünglich eine Herkunftsbezeichnung – genau wie das „von“. Die Ritter von Frankfurter, Sohn Samuel wie Vater Wilhelm, trugen somit einen Namen, der doppelt eine Herkunft anzeigt und so keinerlei Sinn mehr ergibt. Wenig mehr Sinn selbstverständlich ergeben auch alle anderen Namen geadelter Familien und auch die vieler alter Adelsfamilien, die den Bezug zu dem Familiensitz, nach dem sie benannt wurden, verloren haben. Aber in dieser Doppelung wird es besonders deutlich.

Fragt sich, ob im ausgehenden 19. Jahrhundert irgendjemand merkte, wie lustig dieser Name eigentlich ist. Die Christlichsozialen haßten ohnehin alle Juden, die Sozialdemokraten haßten ohnehin alle Adeligen und die Schicht der von Frankfurters, das liberale jüdische Großbürgertum, war sicher so stolz wie neidisch einen der ihren geadelt zu sehen. Für Sprache blieb da kein Platz. Auch aus sprachlicher Hinsicht war somit das Verbot von Adelstiteln, das die Republik Österreich im Jahre 1919 erließ, ein Befreiungsschlag.

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