Janusköpfiges Kloster

Das Klasztor Norbertanek (Norbertinerinnenkloster) steht am Rande von Kraków, außerhalb des mittelalterlichen Kerns, auch heute noch kaum Teil der Stadt. Es steht, obwohl daneben ein Hügel ansteigt, direkt an der Wisła.

Dem Reisenden, der sich von außerhalb am Fluß entlang nähert, zeigt es sich wehrhaft und abweisend:

KlasztorNorbertanekKrakówVonAußerhalb

hohe, fast fensterlose Mauern, seitlich ein massiver eckiger Turm, der auch zu einer Festung passen würde, und, versteckt weiter hinten, der Stufengiebel einer gotischen Kirche. Man spürt hier eine Zeit voller Unsicherheit und Gefahren, in der der Frauenorden sein Bestes tun mußte, mögliche Angreifer abzuwehren oder zu überzeugen, besser nach Kraków oder in die gänzlich schutzlosen Dörfer der Umgebung weiterzuziehen.

Kommt man aber von der Stadt her, sieht man ein ganz anderes Kloster:

KlasztorNorbertanekKrakówVonDerStadt

zierliche zweigeschossige Trakte aus Renaissance und Barock erstrecken sich entlang des Flusses, ein kleiner Turm mit hoher Haube ragt ein Stück empor und auf einer Ecke der Mauern, die nur von sehr nahem noch abweisend wirken, steht frei und ungeschützt eine Statue des Johannes von Nepomuk.

KlasztorNorbertanekKrakówNepomuk

Es ist, als strecke das Kloster der Stadt, dem Burgberg Wawel in der nahen Ferne, auf offener Hand all seine Schönheit entgegen, auf daß sie seiner nicht vergesse.

KlasztorNorbertanekKrakówWawel

Denn schützen kann es sich gegen die Waffe einer neuen Zeit ohnehin nicht mehr alleine, es braucht Kraków. In der friedlichen Zwischenzeit ist es eben schön, offen, leicht, in die Landschaft eingebettet, so sehr es das kann. Mehr als mit der trutzigen Kirchenburg, die es halb noch ist, hat es mit adligen Landsitzen gemein oder auch mit der riesigen historistischen Villa, die sich irgendein Industrieller im späten 19. Jahrhundert gegenüber am anderen Ufer der Wisła bauen ließ.

VillaKraków

Was an diesem Kloster zu sehen ist, ist ein architektonischer Fortschritt deutlichster Art, eine Verwandlung, ein Entpuppen, mithin etwas, was man jedem Ort wünschen kann.

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