Dezente Architektur

Im Vorbeigehen sieht man in der Gersthofer Straße im 18. Bezirk vielleicht nur ein typisches zweigeschossiges Haus in Barockformen, wie es in der Wiener Umgebung nichts Besonderes ist.

BankGersthoferStraße143

Nie würde man ahnen, daß es lokal den Namen Maria-Theresien-Schlössel trägt, weil es Legenden zufolge einmal eine bessere Jagdhütte für die Kaiserin war, und wieso auch? Doch dahinter, wo einst der Hof war, blitzt ein anderes Gebäude auf, ein rückwärtiger Anbau nur.

BankGersthoferStraße143Anbau

Außen um seine rechteckige Form legen sich gürtelartige Träger aus Beton, die zwei kupferne Dächer tragen. Hängt das niedrigere an den Seiten unter den Trägern, so sitzt das höhere, das mit seinen Schrägen eine Aufnahme des Walmdachs des Barockbaus ist, in der Mitte auf ihnen. Im Inneren des Gebäudes, wo eine Bankfiliale ist, entsteht so ein großzügiger stützenloser Raum, der, obwohl er Fenster nur als vertikale Streifen in den Seitenwänden und als horizontale unter den Dächern hat, angenehm hell ist. Das zweite Geschoß unter dem Dach, das man vom Altbau, in dem ein Museum der Bank ist, betreten kann, scheint als Lagerraum zu dienen.

Dieses Kleinod ist eingezwängt zwischen einem Supermarktparkplatz und dem Hof eines weiter zurückgesetzten Wohngebäudes, neben dem eine Querstraße aufsteigt. Wirklich nur ein Anbau also, der, obwohl erst durch ihn der ursprüngliche Bau nutzbar wird, mit seiner dezenten Funktion zufrieden ist. Er ist damit auch das Gegenteil des banalen „Schlössels“ mit dem hochtrabenden Namen.

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