Palais Schwarzenberg

Das Palais Schwarzenberg ist eines der merkwürdigsten Gebäude Wiens. Es liegt am Ende der besten, vielleicht sogar der einzig wirklichen, Achse der Stadt.

AchseSchwarzenberg

Sie beginnt in der Inneren Stadt als Schwarzenbergstraße und führt dann als Schwarzenbergplatz auf das Palais zu, wobei der Name irreführend ist, da es sich nicht um einen Platz, sondern um eine Abfolge riesiger Kreuzungen, die zu Fuß zu überqueren lange dauern kann, handelt.

Das Palais Schwarzenberg ist eine Anlage, die der Größe und Bedeutung dieser Achse absolut gewachsen ist. An beiden Seiten, dort, wo sich die Achse zu zwei Straßen, Rennweg und Prinz-Eugen-Straße, gabelt, stehen zwei Gebäude, die den Beginn des weiten Vorhofs des Palais markieren, die Hände gleichsam einer weitausladenden Umarmung, mit der es den Besucher empfängt.

SchwarzenbergEingangsgebäude

Sie stehen leicht erhöht und haben ein höheres und ein niedrigeres Geschoß. Ionische Pilaster leiten zu einem dreieckigen Tempelgiebel über, der in eine hohe, an den anderen Seiten durch Ausläufer der Pilaster strukturierten Brüstung gesetzt ist. Das Mansarddach ist hinter dahinter beinahe versteckt. An diese Eingangsgebäude schließen niedrigere und schlichtere zweigeschossige Gebäudeteile an, die erst einen Viertelkreis nach innen beschreiben und dann lange gerade nach hinten verlaufen. Irgendwann entschließen sie sich doch, mit etwas höheren Walmdächern zu enden. Von dort laufen flache Gebäudeteile quer auf die Mitte zu, wo sie zum Sockel des eigentlichen Palais werden.

PalaisSchwarzenberg

Es besteht aus einem linken und einem rechten Teil, die den Eingangsgebäuden sehr ähneln, aber länger sind, über dem zweiten Geschoß noch ein niedrigeres drittes haben und ihre Walmdächer hinter der giebellosen Brüstung noch stärker verstecken. In der Mitte ist zwischen den Dächern ein Freiraum, während ein von Rundbögen und Säulen getragenes Vordach, zu dem von beiden Seiten geschwungene Rampen führen, vorgesetzt und ein eigenartiger, sich verjüngender Zylinder mit der von der Brüstung bekannten Struktur zurückgesetzt ist. Dieser Teil in der Mitte, der höchste Teil des Gebäudes, wirkt, als fehle ihm etwas, eine Kuppel vielleicht.

So steht das Palais Schwarzenberg am Ende seiner Achse. Die Parkseite und den Park, der sich, parallel zum Belvedere, den Hang hinaufzieht, kann man nicht sehen. Aber auch das Beschriebene ist ganz leicht zu übersehen. Je mehr die Stadt über ihre mittelalterlichen Grenzen hinauswuchs und das Palais, das ja ein Landsitz war, in sich aufnahm, desto mehr scheint es bedauert zu haben, so sichtbar am Ende einer Achse zu stehen. Schwer zu sagen, wann es anfing, sich von der Stadt abzuschotten. Vielleicht beneidete es schon das wenig später entstandene Belvedere, dieses Schloß ganz anderer Art, das an Achsen gar kein Interesse mehr hat und sich ganz unbekümmert hinter die des Schwarzenbergpalais‘ schiebt. Ein noch wichtigeres Ereignis dürfte im späten 19. Jahrhundert die Errichtung des Hochstrahlbrunnens auf dem platzartigsten Teil des Schwarzenbergplatzes, ein Stück vor dem Beginn des Vorhofs, gewesen sein. Dieser riesige Brunnen, der aus einer geschmacklosen Anhäufung von schwarzen Steinen seine Strahlen in die Höhe schießt, steht genau in der Achse und lenkt die Aufmerksamkeit vom Palais ab. Gänzlich übernommen wurde die Achse dann vom sowjetischen Ehrenmal, das sehr kurz nach der Befreiung Wiens errichtet wurde. Mit einem Halbkreis aus Säulen setzte es sich direkt vor die Öffnung des Vorhofs und wenn man heute davorsteht, verdecken zusätzlich Büsche und Bäume den Blick zum Palais.

So ist das Palais Schwarzenberg heute, wiewohl mitten in der Stadt, wiewohl am Ende ihrer besten Achse gelegen, ein gleichsam versteckter Ort. Neben dem Glanz des Belvedere, des Sowjetischen Ehrenmals und der k.u.k.-Büropaläste ringsum hat sein Vorhof etwas von einem heruntergekommenen Hinterhof und tatsächlich wird er als Parkplatz benutzt.

SchwarzenbergParklplatz

Das Palais selbst ist in verschiedenen Stadien des Verfalls. Schilder erinnern noch an eine Nutzung als Hotel, aber auch das scheint Jahre her zu sein. In einem Nebengebäude, das aber von der Prinz-Eugen-Straße erschlossen ist, befindet sich außerdem die Botschaft der Schweiz. Vor kurzem nun wurde bekannt, daß im Palais ein Spielkasino entstehen und dadurch auch der Park öffentlich zugänglich werden soll.

Mit der Stadt wird das Palais jedenfalls weiterhin kaum verbunden sein oder eben nur durch das Sowjetische Ehrenmal. Denn es setzt sich keineswegs gedankenlos davor.

SchwarzenbergSowjetischesEhrenmal

Wenn man am Ring, vorm Reiterstandbild Karl zu Schwarzenbergs, steht, sieht es so aus, als stehe der Soldat mit dem goldenen Schild mit sowjetischem Wappen, der hoch aufragenden Fahne und der umgehängten Maschinenpistole nicht mehr auf seiner Stele, sondern auf dem Zylinder in der Mitte des Palais Schwarzenberg.

SowjetischesEhrenmalDetail

Das Feingefühl der Schöpfer des Denkmals gibt so dem eigenartigen Bauteil einen neuen Sinn als Sockel für die Plastik des Soldaten und macht das Palais auf eine neue Art zum Teil dieser Achse, die nicht mehr nur seine ist.

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