Architektonische Regression

Die Gebäude, an denen die architektonische Regression hier beschrieben sein soll, waren nie wichtig, Reihenhäuser am Rande der Stadt, kleinbürgerliche Ergänzung der proletarischen Großfeldsiedlung.

ReihenhäuserOswald-Redlich-Straße

Die meisten von ihnen sieht man noch in ihrem Originalzustand aus den Siebzigern: schlichte zweigeschossige Betonquader, die leicht versetzt nebeneinander stehen, im Obergeschoß nach vorne durchgängige Fensterbänder mit Rollos in einem strahlenden Rot. Einige aber sind umgestaltet: sie bekamen eine Wärmedämmung mit pastelllila Putz, ein braunes Pultdach und im Obergeschoß zwei Fensteröffnungen.

Die erste Reaktion ist unweigerlich eine ästhetische Wertung. Dort die Klarheit von Grau, Glas und Rot, hier die Vulgarität des Pastelltons. Aber eine Wärmedämmung ist ja eine sinnvolle Sache und auch das Dach mag einen Zweck haben. Die entscheidende Regression zeigt sich bei den Fenstern. Welche Rechtfertigung kann es geben, die, ohnehin nicht großen, Räume des Obergeschosses der Hälfte ihres Lichts zu berauben? Das nimmt dem Gebäude offenkundig etwas, das ist offenkundig ein Rückschritt und das ist das Problem an allen solchen Umbauten.

Advertisements