Über Architektennamen

Daß an dieser Stelle nur so selten Namen von Architekten vorkommen, hat einen einfachen Grund: sie stören.

Die bürgerliche Betrachtung von Architektur basiert entweder auf Bildern, die von den Gebäuden nichts zeigen – das ist die vulgärere Variante, die man in den Bildbänden über die „50 coolest houses in Asia“ findet – oder auf Architektennamen – das ist die distinguiertere Variante, die man in den Büchern über Architekturgeschichte findet. Diese Namen, seien es die der sogenannten Meister der sogenannten klassischen Moderne wie Le Corbusier oder Mies van der Rohe oder die der heutigen Starchitekten wie Hadid oder Gehry, verstellen dann noch effektiver, als es Bilder vermögen, den Blick auf die Gebäude. Jede zusammenfassende Darstellung der Architekturgeschichte, die bürgerliche Autoren schreiben, ist so der immer gleiche und immer gleich langweilige Kanon der bekannten Namen und der dazugehörigen Gebäude, die die Autoren größtenteils nicht einmal gesehen habe.

Namen gehören also zu einer bürgerlichen Architekturgeschichte, die als Heldengeschichte letztlich immer nur Originalgenies und deren geniale Entwürfe kennt. Hier aber soll es um die Gebäude und die Architektur selbst gehen. Wie sehr Namen dabei im Wege stehen können, war schon am Beispiel von Adolf Loos zu sehen.

Wahr ist, daß es zu allen Gebäuden Namen gibt, wenn auch selten nur einen, da Architektur das Werk von Kollektiven (im sozialistischen Raum) oder Architekturbüros (im kapitalistischen Raum) ist, und wenn diese Namen auch oft sehr schwer herauszufinden sind. Man kann es also machen wie der hochgeschätzte David Liaudet, der in seinem Blog einfach die Namen der Architekten aller von ihm per Ansichtskarte besuchten Gebäude nennt. Aber das birgt in sich die Gefahr, bloß neue, alternative Heldengeschichten von neuen Originalgenies zu schreiben und die eigentlichen Gebäude aufs Neue aus dem Blick zu verlieren. Denn sobald man weiß, wie der Architekt eines Gebäudes, das man schätzt, heißt, könnte die irrige Erwartung entstehen, deshalb müßten auch andere Gebäude von ihm irgendwelche Qualitäten haben. Schon wäre man wieder bei einer Überschätzung der Persönlichkeit des Architekten, obwohl man doch weiß, daß letztlich immer die jeweilige Zeit und Gesellschaft durch den Architekten bauen. Daß etwa Hans Wolff-Grohmann in der Nazizeit widerwärtigste Naziarchitektur baute, macht „L’Aiglon“ nicht weniger hübsch.

All das soll nicht heißen, daß hier nicht, so es angebracht ist, Architektennamen erwähnt werden, aber im Vordergrund sollen immer die Gebäude und ihre Einordnung in ihre Zeit sowie besonders das, was man aus ihnen für eine zukünftige Architektur lernen kann, stehen.

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2 Gedanken zu „Über Architektennamen

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