Wiener Drachen oder die Synthese von Architektur und bildender Kunst

Den einen der beiden Drachen findet man in der Porzellangasse 18 im 9. Bezirk

DrachePorzellangasse

und den anderen in der Steingasse 15 im 3. Bezirk.

DracheSteingasse

Bestimmt gibt es in Wien noch viel mehr Drachen, aber darum soll es nicht gehen. Es soll auch nicht um den offenkundigen Unterschied in der künstlerischen Qualität zwischen dem banal und bezuglos auf die Fassade gesetzten Drachen und der in so überraschendem Realismus eingesperrten Drachin gehen. Es soll überhaupt nicht um Drachen gehen. Sie dienen hier nur als Beispiel dafür, wie Kunst an Gebäuden angeordet werden kann. Der erste Drache befindet sich hoch oben am Giebel eines reich verzierten Gebäudes.

Porzellangasse18

Der zweite Drache hingegen befindet sich direkt über der Tür eines Gebäudes, das ansonsten nur noch den direkt darüber befindichen Balkon als Zierelement hat.

Steingasse15

So ist der erste fast unsichtbar und ob er da ist oder nicht, ist reichlich unwichtig, während der zweite unübersehbar auf relativ angenehmer Höhe ist und vom ganzen übrigen Gebäude in seiner Wirkung unterstützt wird. Im ersten Fall handelt es sich um Kunst, die einem Gebäude einfach als beliebige Dekoration beigefügt wird, im zweiten Fall jedoch kann man von einer versuchten Synthese von Architektur und bildender Kunst sprechen.

Wenn man sich denn entscheidet, ein Gebäude mit bildkünstlerischen Elementen zu ergänzen, kann einzig eine solche Synthese das Ziel sein. Nicht zuerst die Qualität des Kunstwerks ist dafür entscheidend, sondern, ob es so am Gebäude angebracht ist, daß es wirklich zu sehen ist und wirklich etwas mit ihm zu tun hat. Es ist, wie vieles, eine Frage des menschlichen Maßes, also in dem Fall der Frage, ob sich die Kunst an den Menschen richtet und von ihm gesehen werden will oder nicht. Das ist aber nicht mal eine sehr schwierige Frage, denn auch in einem Museum würde kein Kurator ein Gemälde hoch oben an die Wand eines zehn Meter hohen Saals hängen, sondern eben auf Augenhöhe des Betrachters. Insofern ist auch der zweite Drache noch kein herausragend gutes Beispiel, aber er weist in eine richtige Richtung. Der Vergleich zeigt zudem, daß Ornamentik der Synthese von Architektur und bildender Kunst immer bloß im Weg steht, ganz wie ein Gemälde durch einen verschnörkelten Rahmen nichts gewinnt.

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