Stalinstädte

Im Zuge des Personenkults um Stalin wurden in den Fünfzigern in einigen der jungen Volksdemokratien des östlichen Europa Städte nach ihm benannt. Dies lief aber in allen Ländern recht verschieden ab, wie ein kurzer Vergleich zeigt.

Die DDR und Ungarn gingen denselben Weg: sie gründeten eine neue Stadt mit einem großen Stahlwerk und nannten sie Stalinstadt und Sztálinváros (Stalinstadt), wobei die erste Stadt ihren Namen erst nach Stalins Tod 1953 bekam und die zweite schon 1951 zu seinen Lebzeiten. Nachdem Stalin im weiteren Laufe der Fünfziger immer verpönter geworden war, bekamen die Städte 1961 neutralere Namen, die eine nach dem Industriebetrieb, die zweite nach ihrer Lage: Eisenhüttenstadt und Dunaújváros (Donauneustadt).

Polen ging einen anderen Weg und benannte gleich die schlesische Industriemetropole Katowice, eine der größten Städte des Landes, 1953 in Stalinogród um. Es ist ein merkwürdiger Name, der einerseits einen Anklang an das berühmte sowjetische Stalingrad hat, andererseits aber die Wörter gród, eine mittelalterliche slawische Befestigung und erst in einer sehr ungebräuchlichen Bedeutung auch eine Stadt, oder aber ogród, Garten, beinhaltet. Der Name Stalingarten wäre zwar faszinierend, aber Katowice ist doch eher eine Stadt, bei der auch der Wohlwollendste nicht zuerst an Gärten denken würde. Die Zeit, das Versprechen seines Namens einzulösen, bekam Stalinogród auch nie, da es schon 1956 wieder in Katowice zurückbenannt wurde.

In der Tschechoslowakei schließlich wurde, obwohl auch dort neue Städte wie Havířov bei Ostrava entstanden, nie eine Stadt nach Stalin benannt.

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