Liberec

Liberec ist eine geschichtsvergessene Stadt, eine Stadt, die immer nach vorne, ins Neue wollte. Das galt, was heute oft vergessen wird, zwar bis mindestens 1900 für jede Stadt, die sich nicht ganz mit kleinstädtischer Bedeutungslosigkeit abgefunden hatte, aber für Liberec doch noch ein wenig mehr, ein wenig deutlicher. Es wollte das Neue noch unbedingter und noch stärker. In gewissem Maße war es damit ein ewiger Emporkömmling, der immer etwas beweisen wollte, nie in sich selbst ruhte.

Wenn man ganz Liberec in einem Bild zusammenfassen wollte, so wählte man das (in manchen Quellen wird es eine Photomontage genannt), auf dem man das alte Rathaus, einen bescheidenen Renaissancebau, direkt vor dem neuen Rathaus stehen sieht. Das alte Rathaus wurde dann abgerissen, wodurch erst der Platz, an dem nun das neue Rathaus aufragt, entstand.

Aus Technik, Svatopluk/Ruda, Vladimír: Liberec minulosti a současnosti, Ústí nad Labem 1980

Aus Technik, Svatopluk/Ruda, Vladimír: Liberec minulosti a současnosti, Ústí nad Labem 1980

Es ist ein monumentaler historistischer Prachtbau, der es trotz seiner vorherrschenden Neorenaissancezüge schafft, stark an das neogotische Wiener Rathaus zu erinnern. Das war kein Zufall, denn 1893, als das neue Rathaus fertig war, orientierte sich das damalige Reichenberg, Zentrum der böhmischen Textilindustrie, zweitgrößte Stadt und größte mehrheitlich deutsche Stadt Böhmens, selbstverständlich an Wien. Das Rathaus war somit eine Art Denkmal, das die Liberecer Kapitalisten sich selbst bauten. Gleich dahinter ließen sie auch noch ein neobarockes Theater, das aussieht wie ein jedes Theater, das zu dieser Zeit in Österreich-Ungarn entstand, bauen.

Ist der obere Liberecer Platz, der heutige Náměstí E. Beneše (E.-Beneš-Platz), somit ganz Produkt der k. u. k.-Zeit, ist der untere, der heutige Soukenné náměstí (Tuchplatz), ganz von der kapitalistischen ersten tschechoslowakischen Republik geprägt. Rathaus und Theater hatte das Kapital schon, also baute es sich Büropaläste und Kaufhäuser, die man, jedenfalls im Vergleich zu allem vorherigen, schon gut Hochhäuser nennen kann. Wiederum entstand der Platz selbst erst mit den Gebäuden um ihn. An der östlichen Seite des Soukenné náměstí wurde so das Gebäude der Versicherungsgesellschaft Donau gebaut, das trotz seiner acht Geschosse, von denen die obersten beiden in Terrassenstufen zurückgesetzt sind, eher durch seine Horizontalen, die in abgerundeten Ecken enden, wirkt.

Gottwaldovo

Aus Technik, Svatopluk/Ruda, Vladimír: Liberec minulosti a současnosti, Ústí nad Labem 1980

Auf der anderen Seite, zwischen zwei einmündenden Gassen, erhebt sich umso vertikaler und in einer nicht ganz zufällig faschistoid wirkenden Monumentalität das Gebäude der Assicurazioni Generali. Es hat eine mit grauem Stein verkleidete Fassade und sowohl unten, wo ein Café ist, als auch oben unter dem leicht überstehenden Dach, zwei hinter je vier massiven Pfeilern zurückgesetzte Geschosse, so das es auch auf den Kopf gestellt nicht anders aussehen würde. Wiewohl von der Versicherung erbaut, sind innen Wohnungen, wodurch das Gebäude, heute als Nisa oder Kavárna (Café) Nisa bekannt, auch das erste Wohnhochhaus der Stadt wurde.

Aus Kabíček, Jan/Ovsík, Ladislav/Pikous, Jan: Liberec, Liberec 1977

Aus Kabíček, Jan/Ovsík, Ladislav/Pikous, Jan: Liberec, Ústí nad Labem 1977

Das junge tschechoslowakische Kapital wollte dem österreichischen und italienischen nicht nachstehen, also baute sein herausragendster Vertreter, die Schuhfirma Baťa, in der nordöstlichen Ecke des Platzes ein Kaufhaus (zwei Bilder weiter oben auf der linken Seite). Neungeschossig, die Fassade ganz aufgelöst in Fensterbänder und weißgetünchte Geschoßränder, die Ecke abgerundet, die oberen drei Geschosse in zwei kleinen Terrassenstufen zurückspringend, ist es von einer solchen sachlichen Klarheit, daß man noch heute kaum glauben kann, daß es 1932 gebaut wurde – und damit ein typischer Baťa-Bau. Es blieb der Höhepunkt dieser Phase der Stadtentwicklung, der, ganz wie dem Rathaus, viel alte, schon damals denkmalgeschützte Bausubstanz weichen mußte.

Diese beiden Plätze verbindet die Pražská (Prager Straße), eine ziemlich enge und ziemlich steile Straße mit vermischter historistischer Bebauung, die man fast nicht sehen kann, weil so wenig Platz ist. Einzig das Kaufhaus Brouk + Babka, eine weitere tschechoslowakische Firma, mit seiner vertikal gegliederten gläsernen Fassade und den zwei vor dem weit zurückgesetzten Eingang angeordneten gläsernen Räumen, freistehende Schaufenster gleichsam, fällt darin auf. Bis in die frühen Achtziger, als sie mit den beiden Plätzen zur Fußgängerzone wurde, verlief hier auch die Straßenbahntrasse.

Eine andere ganz entscheidende Besonderheit von Liberec entdeckt man, wenn man, wozu selten ein Grund besteht, den Bereich westlich, links, der Pražská besucht. Hier, in einem von zwei Seiten von hohen, steilen Hügeln umgrenzten Tal, meint man in einer ganz anderen Stadt zu sein. In engen, schiefen Gassen und den Hang im Norden hinauf wechseln sich ärmliche Häuschen, oft noch aus Holz, mit ebenso ärmlichen zwei-, dreigeschossigen Mietskasernen und Spuren von Kleinindustrie ab. Noch heute sind diese Straßen geprägt von mehr oder weniger zwielichtigen Kneipen und den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Man blickt auf die Rückseiten der Gebäude der Pražská, kann aber kaum begreifen, daß sie tatsächlich nur Meter entfernt ist. Diese ganze Gegend ist im wahrsten Sinne die Rückseite, die Kehrseite der innerstädtischen Pracht der beiden Plätze und der Straße zwischen ihnen, etwas wie ein einziger Hinterhof, wo all das abgeladen wurde, was für die Prachtentfaltung nötig ist, aber lieber unsichtbar bleiben soll. Auch das ist kennzeichnend für jede Stadt, aber selten kann man es so karikaturartig dicht beieinander sehen wie in Liberec. Es ist dies auch eine Frage der Geographie, denn Liberec, obwohl in einem weiten Tal zwischen Jizerské hory (Isergebirge) und den Ausläufern der Lužické hory (Lausitzer Gebirge) mit dem Ještěd gelegen, erstreckt sich über unzählige kleine und große Hügel, so daß kaum eine Straße gerade, kaum irgendwo das Straßennetz regelmäßig ist. So wie man tausendmal die Pražská entlanggehen kann, ohne je zu ahnen, welches Elend sich direkt hinter ihr verbirgt, kann man auch anderswo bloße Meter von einer Straße, die man gut kennt, gehen und sich doch ganz woanders glauben, da ein unerwartetes Tal, ein unerwarteter Hügel sie unerreichbar machen. Liberec, so sehr vom Kapitalismus geprägt, ist somit auch ein eklatantes Beispiel für das Chaos, das dieser städtebaulich immer bedeutet.

An Versuchen, dieses Chaos zu mindern, mangelte es nicht. Schon das Kapital des alten österreichischen Reichenberg beließ es nicht bei Rathaus und Theater. Vom Rande der alten Stadt bis zum Fuße der Jizerské Hory in nordöstlicher Richtung ließ es sich eine Prachtstraße mit großen Villen bauen, die heutige Masarykova třída (Masaryk-Allee). Damit diese so ganz zur nordböhmischen Variante der Wiener Ringstraße werde, wurden an einer Kreuzung in ihrer Mitte weitere Prunkbauten in verschiedenen historistischen Formen, das Severočeské Muzeum (Nordböhmische Museum), der Sitz der Handelskammer und ein Hallenbad, errichtet. Und nicht weil es nötig war, sondern als Prestigeobjekt, wurde auf dieser Straße die erste Straßenbahnlinie der Stadt angelegt. Diese hatte immerhin den Vorteil, daß sie auch die Arbeiter zum Stadtpark mit seiner großen Ausflugsgaststätte und dem späteren Zoo brachte. Dort, im heutigen Lidové sady (Volkspark), hatten schon 1890 an die 16000 von ihnen den ersten 1. Mai gefeiert.

Es dauerte noch fast 58 wechselhafte Jahre, bis der Sozialismus, für den die Arbeiter damals demonstriert hatten, im Februar 1948 auch in Liberec siegte. Er brachte der Stadt die vielleicht größten Veränderungen ihrer Geschichte. Neben den ausgedehnten Wohngebieten am Rande, die das von Kapitalismus und den geographischen Bedingungen verschuldete Chaos wenigstens ein wenig linderten, griff der Sozialismus auch ins Stadtzentrum ordnend ein. Er schloß an die letzten Neuerungen, den unteren Platz, den er in Gottwaldovo náměstí (Gottwald-Platz) umbenannte, an.

Das Gebäude, mit dem er das tut, ist das Obchodní Dům Ještěd (Kaufhaus Ještěd)  und alles an ihm zeigt, daß es Beginn einer neuen Art von Stadt sein will. Seine Form ist kompliziert und vielgestaltig, schwer in ihrer Gesamtheit zu erfassen: auf einer unregelmäßig vieleckig geformten Terrassenebene erheben sich drei ebenso unregelmäßige Trakte, die ersten beiden bis zu vier-, der dritte, der eine weitere kleinere Terrassenebene hat, bis zu fünfgeschossig. Daß es dennoch sofort als klare Einheit wirkt, verdankt das Kaufhaus seiner Fassade: sie wird bestimmt von leuchtend orangenen Kacheln und dunklem, fast schwarzen Stahlblech mit vertikaler Rillenstruktur, in das an manchen Stellen schmale vertikale Fenster mit abgerundeten Ecken und vorstehenden silbrigen Rahmen eingelassen sind. Dazu kommt manchmal, etwa an einem vorgesetzten Treppenhaustrakt, noch grünlich-milchiges Plexiglas.

Aus Vebr, Jaroslav: Soudobá architektura ČSSR, Praha 1980

Aus Vebr, Jaroslav: Soudobá architektura ČSSR, Praha 1980

Während das Kaufhaus dadurch schreiend auffällig wird, macht es seine schiere Funktionalität im Gegenteil sehr dezent, denn man bewegt sich darin und darum ganz intuitiv. Im Erdgeschoß wird es von einem Komplex von Passagen durchzogen, in denen kleinere pavillonartige Ladenräume und die Zugänge zu den Trakten angeordnet sind. Aber diese Passagen sind nicht einfach Ergänzungen des Stadtraums, sondern sein konstituierender Bestandteil. Um vom Gottwaldovo náměstí in Richtung Bahnhof zu kommen, wäre es widersinnig, um das Kaufhaus herumzugehen, also fließt der Fußgängerverkehr wie selbstverständlich durch die Passagen.

Verläßt man diese zur anderen Seite, kommt man auf einen kleinen Platz, der vom Dům Kultury (Kulturhaus) bestimmt wird. In seinem endgültigen Zustand mit Kino- und Restaurantflügeln hätte es sich in eckiger U-Form um den dieseitigen Abschluß des Kaufhauses legen sollen, aber es entstand bloß ein langer dreigeschossiger Trakt, dessen beiden breite Seiten nach außen schräg abfallen und aus bräunlich verspiegelten Fenster- und Metallflächen bestehen. Dieser steht parallel zur Lužická Nisa (Lausitzer Neiße), die direkt dahinter fließt. Zum einzigen Male wird dieser Fluß hier wichtiger Teil des Liberecer Stadtbilds, die fortschrittliche Planung zitiert ihn gleichsam. Von der Brücke blickt man nach links über das stark kanalisierte und von Rohren überspannte Bett der Nisa, vorbei an der spiegelnden Fassade des Dům Kultury und an einem zweigeschossigen Umgebindehaus aus Holz, Zitat des Alten, auf ein 28-geschossiges Hochhaus.

Aus Kabíček, Jan/Ovsík, Ladislav/Pikous, Jan: Liberec, Ústí nad Labem 1977

Aus Kabíček, Jan/Ovsík, Ladislav/Pikous, Jan: Liberec, Ústí nad Labem 1977

Es hat an zwei Seiten mittig leicht vorgesetzte Teile, die durch einen quer über das Dach verlaufenden mehrgeschossigen Aufbau verbunden sind. Sie bilden den Rahmen, der die quadratischen Geschosse mit ihrer Fassade aus Fensterbändern und blauer Verkleidung trägt. Diese Höhendominante des sozialistischen Liberec ließe die alten, den Rathausturm am oberen und die Hochhäuser am unteren Platz, zwergenhaft erscheinen, aber sie hat die Dezenz, sich, ihrer Wirkung dank der Sichtachse ohnehin sicher, weit von ihnen entfernt zu halten.

Jenseits der Nisa ist ein Park, nur ein sehr kleiner, aber in Liberec, das zwar eine so schöne nächste Umgebung wie nur wenige andere Großstädte, aber in seinem Zentrum sehr wenig Grün hat, ist auch das wertvoll. Geradeaus führt die Třída 1. Máje (Allee des 1. Mai) hinauf zum Bahnhof. Links der Straße ein zehngeschossiger Bürobau, an dem wenig bemerkenswert wäre, wenn nicht seine dem Park zugewandte aufgestützte Schmalseite aus mehreren schmalen vertikalen Streifen mit rötlich-brauner Kachelverkleidung, die mal vor, mal zurückspringen, bestünde. Mit ebensolcher Verkleidung an der Brandmauer des Hotel Imperial, verleibt es sich auch dessen im weiteren Verlauf der Straße stehenden Art Déco-Bau aus der ersten Republik ein. Rechts der Straße steht zuerst weiter zurückgesetzt ein dreizehngeschossiges Punkthochhaus und dann drei weitere aufgereiht näher an ihr. Abschluß der Straße ist auf dieser rechten Seite ein siebengeschossiges Bürogebäude mit Fensterbändern und dunkelblauer Verkleidung. An klaren Tagen kann man gut das Gefühl bekommen, daß die Třída 1. Máje geradewegs auf den Ještěd zuführt (und tatsächlich kommt man mit der Straßenbahn am Bahnhof vorbei auch bis unmittelbar zu seinem Fuße). Die ikonische Form des Bergs schwebt geradezu jenseits der Straße und ein kleines nach rechts aufsteigendes Vordach auf dem Dach des abschließenden Bürogebäudes scheint keine andere Funktion zu haben, als den Blick auf sie zu lenken.

BlickJeštěd

Noch vor diesem Gebäude ist rechts der Busbahnhof, während sich nach links ein weiter Blick über andere Teile der Stadt öffnet. Am wichtigsten aber ist der Tunnel, der durch diesen ansteigenden Hügel gebohrt wurde, denn er bringt die von Děčín nach Prag führende Autobahn direkt durch Liberec, ohne seine Straßen aber mit Durchgangsverkehr zu belasten. Er ist eine jener Infrastrukturmaßnahmen, deren Zwangsläufigkeit sich sofort erschließt.

Steht man dann vorm Bahnhof, der zwar am Ende der Třída 1. Máje steht, aber weder die k. u. k.-Pracht, noch die tschechoslowakische Brillianz hat, dessen wert zu sein, und blickt über den beschriebenen Zentrumsbereich von Liberec zurück, so sieht man, daß das Rathaus, das in der sozialistischen Zeit von einem Stern gekrönt war, noch immer seinen klaren Abschluß bildet, obwohl sich der Generali-Turm respektlos davorschiebt.

BlickRathaus

Aber man erahnt auch, gar nicht weit vom Rathaus, einen weiteren Turm, neogotisch, einen Kirchturm. Erst jetzt wird man sich vielleicht überrascht ins Gedächtnis rufen, daß man im ganzen Stadtzentrum keine einzige Kirche gesehen hat. Das hat weniger mit mangelnder Religiosität als eben mit der Liberecer Geschichtsvergessenheit und dem von Kapitalismus und Geographie bedingten städtebaulichen Chaos zu tun.

Denn während das heutige Zentrum sich vom Rathaus über den oberen Platz, die Pražská, den unteren Platz und die Třída 1. Máje in mehr oder weniger nord-südlicher Richtung erstreckt, verlief das alte Liberec quer dazu auf einem Hügelkamm in etwa west-östlicher Richtung. Es begann an der von der Nisa aufsteigenden Straße mit einer zweitürmigen barocken Kirche und setzte sich in einem langgestreckten rechteckigen Platz, dem heutigen Sokolovské náměstí (Sokolovo-Platz), an dessen Ende die von Weitem entdeckte Kirche steht, fort. Hier übersteigt die Liberecer Geschichtsvergessenheit noch nicht die anderer Städte. In einer, heutigen, Seitengasse stehen noch drei Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert, es gibt noch einen Barockpalast, sonst ist eben alles aus dem späten 19. Jahrhundert, als auch die Kirche ihre, vorsichtig gesagt, reizlosen neogotischen Formen bekam. Die Kirche steht nur noch Meter vom oberen Platz entfernt, ist von ihm aber unsichtbar, in einer anderen Welt. Über einen anders gearteten Platz mit dem so anderen Rathaus erstreckte sich das alte Liberec bis zum Schloß, denn auch so etwas hat es, im Osten, an das südlich eine barocke Siedlung anschloß. Sowohl Schloß als auch, weniger gut, Siedlung sind noch zu erkennen, aber sie sind für die heutige Stadt, so wohltuend auch das Grün der kleinen Reste des Schloßparks ist, einfach nicht besonders wichtig.

Liberec‘ Geschichtsvergessenheit setzt sich auch heute fort. War sie in der Vergangenheit oft ein Ausdruck des Fortschritts, so ist sie heute, im restaurierten Kapitalismus, eher einer der Zerstörung. Zwischen oberem Platz und Schloß wurde auf einer der wenigen Grünflächen ein Einkaufszentrum gebaut. Am unteren Platz wurde das Kaufhaus Ještěd abgerissen und durch ein weiteres Einkaufszentrum ersetzt. Damit wiederholte sich die Geschichte der beiden Rathäuser: ein zierlicher älterer Bau mußte dem bloß monumentalen, oder im Falle des Einkaufszentrums bloß großen, Neubau weichen. Aber die Stärke und Qualität des Kaufhauses zeigt sich noch heute darin, daß der Fußgängerstrom zwischen Platz und Bahnhof nun eben durch das Einkaufszentrum fließt, aber, und das ist der Unterschied, nur zu seinen Öffnungszeiten. Und wenn man weiß, wie sehr die Geschichtsvergessenheit Teil von Liberec ist und was für faszinierende Ergebnisse sie in der Vergangenheit oft zeitigte, kann man über die Zerstörungen der Gegenwart nur halb so traurig sein und hofft vorsichtig auf die, die eine irgendwann kommende Zukunft bringen könnte.

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