Die Grundfrage der fortschrittlichen Architektur

Sie lautet: Wie soll man in einer Gesellschaft bauen, wenn man gegen diese Gesellschaft ist? Denn Architektur kann ja nicht kritisch sein, sie ist immer affirmativ, sie stellt sich nie gegen etwas, sondern wirkt konstruktiv an etwas mit.

Die übliche, und wohl richtige Antwort, auf diese Frage besteht darin, sie zu ignorieren. Man baut eben, so gut es geht, so, als sei die Gesellschaft schon eine andere. Je besser es geht, desto mehr kann das im Bewußtsein des einzelnen Architekten dazu führen, daß er meint, eine Veränderung der Gesellschaft sei gar nicht mehr nötig, oder aber, diese werde schon durch die schiere Kraft und Qualität seiner Architektur geschehen. Weil Architektur zwangsläufig affirmativ ist, wird so auch der Architekt affirmativ. Nur die wenigsten Architekten können eben hinausdenken über die Hybris ihres Berufsstands, die sich in Le Corbusiers so furchtbar falschem Satz ausdrückt: „L’architecture est à la clef de tout“ (meist übersetzt als: Die Architektur ist der Schlüssel zu allem).

Aber darauf kommt es auch nicht an. Ein politisch bewußter Architekt ist nicht zwangsläufig ein guter Architekt. Architekten sollen auch nicht denken, sondern bauen. Darauf, wie sie bauen, hat immer die Gesellschaft einen größeren Einfluß als sie und einziges Kriterium für die Bewertung von Architektur ist, wieviel von ihr für die kommende Architektur der neuen Gesellschaft von Nutzen ist.

Advertisements