Einleitung

Als eine Art Einleitung will ich dem ersten wirklichen Eintrag dieses Blogs einige Bemerkungen über drei andere Blogs, die mich in der Entscheidung, meines anzulegen, beeinflußt haben, drei Vorbilder sozusagen, vorrausschicken.

http://archipostcard.blogspot.fr/ (erster Teil)
http://archipostalecarte.blogspot.fr/ (zweiter Teil)
Claude Liaudets Blog über seine Sammlung von Architekturpostkarten. Jeder Eintrag besteht aus einer oder mehrerer dieser Postkarten, dazu oft Vergrößerungen einzelner Details, und den Überlegungen des Autors zu diesen. Die Stadt durch Postkarten erleben und träumen, so faßt er sein Vorgehen selbst zusammen. Es sind also nicht die Texte eines Wissenschaftlers oder Kritikers, sondern die eines Liebhabers. Gerne schwingen sie sich zu Begeisterung und Freude auf, während Kritik selten ist. Ich bewundere Liaudet dafür, denn in mir selber wecken  Bilder von Architektur immer nur eine brennende Sehnsucht, die gezeigten Gebäude wirklich sehen zu können, zwischen ihnen zu spazieren, sie in allen Details erkunden zu können. So kann ich auch nicht sagen, ob jedes der Gebäude die im gewidmete Liebe und Begeisterung verdient, insbesondere, wenn es sich nicht um Brutalismus der Sechziger und Siebziger, sondern um Postmoderne der Achtziger (um, da er es auch tut, ausnahmsweise mit solchen Begriffen zu arbeiten) handelt, bin ich sogar sicher, daß dem nicht so ist, aber es ist immer ein Genuß und Gewinn, diese oft kurzen, skizzenartigen Texte zu lesen und darauf kommt es an. Jedes einzelne Bild und jedes einzelne Wort wecken die Lust, Frankreich zu besuchen, am liebsten vor etwa dreißig Jahren.

http://egonovypohledy.blogspot.de/
Auch das zweite Blog ist das eines Postkartensammlers, aber es hat keine Bilder, was gut ist, da es sehr langweilige Postkarten sind. Egon Wiener tut also gut daran, sich auf kurze feuilletonistische Texte zu beschränken, die immer von seiner Heimatregion, der Gegend um Liberec in Nordböhmen, erzählen. Wenn er etwas über die Gegenwart schreibt, ist er oft zu konservativ, wenn er über die Vergangenheit schreibt, ist er oft zu nostalgisch, aber seine Texte sind immer so erfüllt von der tiefen Kenntnis dieser Gegend, ihrer Geschichte und Menschen, daß man über etwaige Mängel hinwegsehen kann. Wiener ist auch deshalb genau der Richtige, um von Liberec zu schreiben,  weil er, kurz nach dem zweiten Weltkrieg in eine deutsch-tschechische Familie mit jüdischen Wurzeln geboren, all dessen Brüche in der eigenen Biographie enthalten hat. Entsprechend sind seine Texte oft autobiographisch, Erinnerungen an Weihnachtsfeste oder Fußballspiele in den Fünfzigern etwa. Nie läßt er jedoch die größeren politischen und Zusammenhänge, ohne die man nichts, was Liberec war und ist, begreifen kann, außer acht. So entdeckte ich seinen Blog durch einen Artikel, in dem er davon schreibt, wie von 1950 bis 1952 sowohl der Botschafter der Tschechoslowakei in Moskau, Karl Kreibich, als auch der Botschafter der DDR dort, Rudolf Appelt, ursprünglich aus der Gegend von Liberec kamen, Höhe- und Endpunkt der Weltgeltung dieser Region.

http://fucktheory.tumblr.com/
Das dritte Blog unterscheidet sich von den vorigen schon allein dadurch, daß der Autor nicht von Konkretem, aus eigener Anschauung, sei es die von Postkarten oder die von Landschaften und Menschen, Erlebtem, sondern von Theoretischem aus den Bereichen von Philosophie, gender studies und Pädagogik schreibt. Ich will nicht verhehlen, daß ich oft nur einen Bruchteil von dem, worum es da geht, wirklich verstehe. Daß ich es hier nenne, liegt nicht nur daran, daß ich es dank seiner anschaulichen, oft von Invektiven durchsetzen (diese noch ein Unterschied zu den vorgenannten Blogs) Sprache, immer gern und hoffentlich mit Gewinn lese, sondern auch daran, daß es eine formale Eigenheit, die abphotographierten Karteikarten am Beginn eines jeden Eintrags, hat, die mich an meinen eigenen ersten, schnell abgebrochenen Versuch, ein Blog zu schreiben, erinnerte. Damals, 2005, stellte ich unter dem von Pasolini gestohlenen Titel „Il caos della città“ eingescannte Tagebuchtexte, die ich im Burger King am Kurt-Schuhmacher-Platz im Norden von Westberlin geschrieben hatte, ins Internet, doch das war viel zu aufwendig und, letztlich, uninteressant.
Wie man an diesen Vorbildern erkennen kann, soll es in diesem Blog nicht um ein Kommentieren aktuellen Geschehens irgendwelcher Art gehen. Solche Ausdrücke kurzfristige Erregung, die sich dann in Kommentaren ergießt, gibt es im Internet bereits genug und ich mag es einfach nicht genug, um mich daran zu beteiligen.  Die Kommentarfunktion ist deshalb ausgeschaltet. Wer mir etwas zu einem Text mitteilen möchte, nutze dazu bitte das Formular unten.
Es soll an dieser Stelle also um Erlebnisse und Erfahrungen mit Orten gehen, die ich im Laufe der Jahre festzuhalten versucht habe. Falls sie jemandem gefallen oder jemanden interessieren, so freut mich das.

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